Sonstiges

Die Bimsindustrie in Bassenheim – Die Geschichte des „Weißen Goldes“

Bims und seine Verarbeitung prägten Bassenheim über viele Jahrzehnte. Was zunächst als kleiner Zuverdienst einzelner Familien begann, entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg zu einem bedeutenden Wirtschaftszweig. Zahlreiche Bimssteinfabriken entstanden, Hunderte Menschen fanden Arbeit und das „Weiße Gold“ brachte neuen Wohlstand in den Ort. Seine Spuren sind in Bassenheim bis heute sichtbar.

Die geologische Entstehung des Bims

Bassenheim liegt am südwestlichen Rand des Bimsgebietes, das durch den Ausbruch des Laacher-See-Vulkans vor rund 12.900 Jahren entstand. Dabei wurden innerhalb kurzer Zeit große Mengen Bims und Asche in die Atmosphäre geschleudert und durch den Wind über weite Teile des Mittelrheinischen Beckens verteilt.

Vom Bassenheimer Ortskern in Richtung Mosel nehmen die Bimsvorkommen deutlich ab. In westlicher, nördlicher und nordöstlicher Richtung – etwa nach Ochtendung, Saffig, Kettig und Engers – waren die Ablagerungen wesentlich ergiebiger. Aufgrund seiner Randlage waren die Vorkommen in Bassenheim teilweise weniger mächtig und von geringerer Qualität.

Bims ist ein sehr poröses und dadurch leichtes vulkanisches Gestein. Gleichzeitig besitzt es eine für den Hausbau geeignete Stabilität. Diese Eigenschaften machten ihn zu einem begehrten Baustoff für Mauersteine und zu einem geeigneten Dämmmaterial.

Die Anfänge der Bimssteinherstellung

Bereits lange vor dem großen Bimsboom der Nachkriegszeit wurden in Bassenheim Bimssteine hergestellt. Die wohl älteste Produktionsstätte befand sich im oberen Hohlweg und gehörte Paul Stahl. Seine Söhne konnten 1964 als Gebrüder Stahl bereits auf eine 60-jährige Firmengeschichte zurückblicken.

Auch die von-Waldthausensche Verwaltung betrieb auf dem Schamberg hinter dem damaligen Gendarmenhaus eine Produktionsstätte. Das Gendarmenhaus bildete zu dieser Zeit das letzte Haus am Wolkener Weg. Dort waren unter anderem die späteren Waldarbeiter Peter Reichert und Jakob Oster mit der Bimssteinherstellung beschäftigt.

Weitere kleine Betriebe entstanden an verschiedenen Stellen Bassenheims. Nikolaus Lohner und Jakob Juchem produzierten neben dem Wohnhaus Lohner am Bur. Nikolaus Weiber, eigentlich Viehhändler, stellte gemeinsam mit Peter Juchem auf der Ochtendunger Höhe Bimssteine her. Der Landwirt Anton Becker betrieb mit seinen Brüdern eine Anlage am Kettiger Weg, die zuvor Heinrich Koch geführt hatte. Auch Josef Israel aus dem Stammhaus in der Israelstraße unterhielt dort eine Bimssteinfabrikation.

Für die meisten Betreiber, häufig Landwirte mit eigenem Fuhrwerk, war die Herstellung zunächst ein Zuverdienst. Große Stückzahlen waren kaum möglich. Der Bimsmörtel wurde in Holz- oder Metallformen gefüllt und zunächst mit Stampfern, später mit Handklopfmaschinen verdichtet. Als Bindemittel diente anfangs Kalk, bevor sich zunehmend Zement durchsetzte. Die fertigen Steine wurden zum Teil mit Pferdewagen zum Bahnhof gebracht und von dort per Eisenbahn weitertransportiert.

Mit dem Zweiten Weltkrieg kam diese noch einfache Form der Herstellung der damals auch „Schwemmsteine“ genannten Bimssteine weitgehend zum Erliegen.

Der mühsame Neubeginn nach dem Krieg

Kurz nach Kriegsende wurde in Bassenheim wieder produziert. So betrieben der Landwirt Toni Weidung, genannt „Borje Dunn“, und Michael Braunschädel hinter der ehemaligen Lagerhalle der Raiffeisenbank an der Ecke Im Sässel/von-Waldthausen-Straße eine kleine Bimssteinfabrikation. Zu den Mitarbeitern gehörte Toni Geisen.

Der Wiederaufbau der zerstörten Städte ließ den Bedarf an Baumaterial schnell wachsen. Bimssteine konnten vergleichsweise günstig und schnell hergestellt werden. Doch zunächst fehlte es an fast allem: Transportmitteln, Strom, Telefonverbindungen, Zement und brauchbaren Maschinen – zeitweise sogar an Papier für Zementsäcke.

Arbeitskraft hingegen war vorhanden. Vor dem Abbau musste zunächst der Mutterboden mit Hacke und Schaufel entfernt werden. Anschließend wurde der Bims mit den großen, breiten Bimsschaufeln aus den Gruben geholt. Pferde zogen Loren und Fuhrwerke und transportierten Rohstoffe und fertige Steine.

Für Menschen und Tiere war dies schwere körperliche Arbeit.

Ab 1948: Die große Zeit des „Weißen Goldes“

Mit der Währungsreform von 1948 begann die eigentliche Blütezeit der Bassenheimer Bimsindustrie. Zement, Lastwagen, Silos, Förderbänder, Bagger, Planierraupen und andere Maschinen wurden zunehmend verfügbar. Arbeiten, die zuvor mühsam von Hand erledigt worden waren, konnten mechanisiert und wesentlich größere Mengen Bims verarbeitet werden.

Innerhalb weniger Jahre entstanden in und um Bassenheim rund ein Dutzend Bimssteinbetriebe. Hunderte Menschen fanden Arbeit, darunter viele Flüchtlinge und Vertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten sowie Arbeiter aus der Eifel und dem Hunsrück. Die Verdienstmöglichkeiten lagen teilweise deutlich über denen anderer Beschäftigungsverhältnisse.

Auch die Behörden begleiteten den Aufschwung. Die Inbetriebnahme einer Bimssteinfabrik musste beim Regierungspräsidenten beantragt werden; dazu war unter anderem ein polizeiliches Führungszeugnis vorzulegen. Die Industrie- und Handelskammer verlangte Angaben zu Umsatz und Beschäftigtenzahlen, das Finanzamt war ebenfalls beteiligt. Selbst die Stilllegung eines Betriebes musste offiziell angezeigt werden.

Arbeiten in der „Bims“

Die Arbeit in den Bassenheimer Bimsfabriken war hart. Besonders in den ersten Jahren blieb trotz zunehmender Mechanisierung vieles Handarbeit.

Bezahlt wurde häufig im Akkord. Entscheidend war also nicht allein die Arbeitszeit, sondern die Zahl der produzierten, gearkten oder verladenen Steine. Als „Arken“ bezeichnete man das Aufsetzen und Stapeln der frisch hergestellten Steine zum Trocknen. Die dafür eingesetzten Arbeiter waren die „Arker“.

Diese mussten kräftig zupacken: Ein nasser 30er-Hohlblock konnte je nach Beschaffenheit des Bimses und Feuchtigkeit bis zu 30 Kilogramm wiegen. Beim Verladen der Normalsteine und Hohlblocksteine wurde ebenfalls nach Stückzahl abgerechnet.

Im Sommer begann die Arbeit teilweise schon sehr früh. Bei Schnuch starteten die Arker mitunter bereits zwischen vier und fünf Uhr morgens. Gegen neun Uhr gab es eine Frühstückspause, mittags brachten Familienangehörige das „Äßkesselche“. Am Nachmittag folgte eine weitere kurze Pause.

Bei starkem Regen musste die Arbeit im Freien unterbrochen werden. Im Winter ruhte die Produktion in vielen Betrieben über längere Zeit ganz. Dann gingen die Bimser „stempeln“ – sie meldeten sich beim Arbeitsamt und bezogen Arbeitslosengeld. Wer zu lange ohne Arbeit blieb, geriet in die sogenannte „Krise“ und musste mit geringeren Zahlungen auskommen.

Dafür waren die Verdienstmöglichkeiten für die damalige Zeit gut. Anfang der 1950er Jahre konnten Arbeiter teilweise 100 DM und mehr in der Woche verdienen. Die Lohntüte wurde meist freitags oder samstags ausgegeben. Für manchen führte der Weg nach Feierabend allerdings nicht direkt nach Hause, sondern zunächst ins Schäferstübchen.

Die „Bims“ wurde damit nicht nur zum Arbeitsplatz, sondern zu einem festen Bestandteil des Bassenheimer Alltags.

Wie das „Weiße Gold“ Bassenheim veränderte

Der Boom war im ganzen Dorf zu spüren. Zeitweise durchfuhren bis zu hundert Lastwagen täglich Bassenheim, um Bims und Zement anzuliefern oder fertige Steine abzuholen. Die damaligen Straßen waren diesem Verkehr kaum gewachsen. In der engen Mayener Straße konnten Lastwagen mitunter nicht aneinander vorbeifahren. Später wurde der Verkehr dort mit einer Ampelanlage geregelt.

Der Karmelenberger Weg verwandelte sich je nach Wetter in eine Schlamm- oder Staubstrecke. In Spitzenzeiten stießen auch Strom- und Wasserversorgung an ihre Grenzen. Die Geräusche der Klopfmaschinen waren aus vielen Richtungen im Dorf zu hören.

Wirtschaftlich brachte das „Weiße Gold“ erhebliche Veränderungen. Bauern und andere Grundstückseigentümer verdienten am Verkauf des Bimses auf ihren Flächen. Gleichzeitig stiegen die Gewerbeeinnahmen der Gemeinde.

Viele Bassenheimer Familien konnten Schulden aus den schwierigen Nachkriegsjahren begleichen – darunter offene Rechnungen in örtlichen Geschäften wie bei Josef Zeutzem. Andere konnten erstmals über den Bau eines eigenen Hauses nachdenken.

Die ersten Nachkriegsneubauten entstanden am Karmelenberger Weg. Später folgten unter anderem die Waldthausenstraße, Auf dem Schamberg, die Bachstraße, Im Sässel, die Schubertstraße und die Bischof-Wehr-Straße.

Das „Weiße Gold“ veränderte damit nicht nur die wirtschaftlichen Verhältnisse, sondern auch das Erscheinungsbild Bassenheims.

Die Bassenheimer Bimssteinbetriebe

Hinter dem Aufschwung standen zahlreiche Unternehmerfamilien und ihre Beschäftigten. Ihre Geschichten erzählen zugleich von harter Arbeit, technischem Fortschritt, wirtschaftlichem Erfolg und dem Wandel des Dorfes.

Die ältesten Wurzeln der späteren Bassenheimer Bimsindustrie hatte der Betrieb der Familie Stahl. Paul Stahl begann bereits 1904 am oberen Hohlweg mit der Herstellung von Bimssteinen. Er lebte mit seinen sechs Kindern im heutigen Martinstal, und die Kinder mussten früh im Familienbetrieb mithelfen. Für den Transport von Bims und Steinen wurden Pferdefuhrwerke eingesetzt.

Während der Weltkriege ruhte die Arbeit. Nachdem Richard Stahl 1948 aus der Gefangenschaft zurückgekehrt war, nahmen die Brüder Peter, Richard und Philipp 1949 die Produktion wieder auf – zunächst mit altem Gerät und der vorhandenen Handklopfmaschine.

Bald wurde ein LKW angeschafft. Zunächst fuhr ihn Philipp Stahl, später überwiegend Peter. Richard führte die Geschäfte; das Büro befand sich im Wohnhaus in der Gensstraße 7. Philipp und Peter waren für den Produktionsablauf verantwortlich. Im Büro arbeiteten zeitweise auch Gunda Schwohl und Oswald Ringel.

1963 ereignete sich bei Wolken ein Unfall mit dem firmeneigenen LKW, bei dem Richard am Steuer saß. Der LKW hatte Totalschaden – in einer Zeit knapper Transportmittel ein erheblicher Verlust.

Mit zunehmendem Erfolg wurde laufend modernisiert. Automatische Klopfmaschine, „Eiserner Mann“, Gabelstapler, Förderbänder und Bagger hielten Einzug. Produziert wurden nahezu alle Bimssteinformate außer Bimsdielen. Abnehmer fanden sich bis nach Ludwigshafen und in die Pfalz.

Zu den Beschäftigten gehörten unter anderem Heinz Reuß, Günther Keßler, Reinhold und Kaspar Israel, Peter Bersch, Hans Einig, Hans Gundert, Ernst Gürlieh, Hans Schnaak, Richard Stahl – Sohn von Peter –, Karl Solzbacher, Richard Pior, Sepp Wechselberger, Gerhard Drescher und Josef Weis.

1969 starb Richard Stahl früh. Peter und Philipp führten den Betrieb weiter. Bis Anfang der 1980er Jahre liefen die Geschäfte gut, dann gingen Absatz und Wirtschaftlichkeit zurück. Neue Investitionen wären notwendig geworden und der Bims hatte sich deutlich verteuert. Schließlich stellten Peter und Philipp, selbst bereits nahe am Rentenalter, den Betrieb ein.

Auf dem ehemaligen Firmengelände entstand später das Baugebiet „Unter den Pelzen“.

Ende der 1940er Jahre gründeten Hubert Lohner und sein Sohn Alfred einen Bimssteinbetrieb zwischen Kettiger und Andernacher Weg gegenüber dem evangelischen Friedhof. Das Gelände gehörte der von-Waldthausenschen Verwaltung.

Zwischen Betrieb und Friedhof lag der frühere von-Waldthausensche Wasserhochbehälter, im Volksmund „Wasserbassin“ genannt, über den Ernst Weiler die Aufsicht führte.

Die Familie war eng in den Betrieb eingebunden. Alfred Lohner fuhr den firmeneigenen LKW, Tochter Sofia erledigte im Wohnhaus in der Kirchstraße die Büroarbeiten. Hubert selbst legte die Wege zwischen Dorf und Fabrik gerne mit dem Moped zurück.

Auch außerhalb des Betriebes kam der LKW zum Einsatz: Alfred stellte ihn für Spieler und Zuschauer zur Verfügung, wenn der TV Bassenheim zu einem Auswärtsspiel musste.

Mit zunehmendem Alter Huberts übernahm Sofia immer mehr Verantwortung. Sie kümmerte sich um den Einkauf der Rohstoffe und den Verkauf der Steine. Nach Huberts Tod führte sie den Betrieb, inzwischen mit Werner Stein verheiratet, weiter. Sofia Stein starb jedoch früh an einer schweren Krankheit.

Werner Stein führte die Firma anschließend weiter. Als der Bauboom nachließ, größere Investitionen notwendig geworden wären und sich ältere Mitarbeiter nach und nach in den Ruhestand verabschiedeten, entschloss er sich zur Aufgabe.

Zu den Beschäftigten gehörten überwiegend Bassenheimer. Platzmeister war Hans Nitsch, Maschinist Johann Schnaak. Weitere Mitarbeiter waren unter anderem Erich Hermanies, Klaus Steffens, Gustav Lepping, der Pole Stephan, Karli Mayer, Hermann Becker, Walter Oster und Fritz Ringel.

Nach der Stilllegung wurden Misch- und Maschinenhaus abgebaut und das Gelände an die von-Waldthausensche Verwaltung zurückgegeben. Es wurde wieder Ackerland. Werner Stein betrieb anschließend ein Taxiunternehmen.

Paul Oster, der „Kamilleberger Paul“, und sein Schwager Anton Künster eröffneten 1949 ihre Bimssteinfabrikation „An der Konn“ hinter dem sogenannten „Bau“.

Das Gelände war von der von-Waldthausenschen Verwaltung gepachtet und enthielt selbst Bims, der unmittelbar verarbeitet werden konnte. Von der Verwaltung konnten außerdem Feldbahnschienen und Kippwagen übernommen werden. Pferde zogen die Loren zur Handklopfmaschine.

Auch diese war gebraucht gekauft worden und zunächst kaum einsatzfähig. Der Schmied Ernst Kohnz brachte sie wieder in Ordnung.

Büroarbeiten und Buchführung erledigte Walter Groß in seiner Freizeit. Produziert wurden Normalsteine und Bauplatten für Bauherren in Bassenheim und der Umgebung sowie für Baustoffhändler. Später konnten die Steine bis in den Kölner Raum verkauft werden. Dabei halfen Geschäftsbeziehungen von Johann Künster, Schwager von Paul Oster und Bruder von Anton Künster, der als Architekt bei den Bayer-Werken in Leverkusen tätig war.

Neben den Anteilseignern arbeiteten auch Familienmitglieder wie Reinhard Oster, Adalbert Künster, Jakob und Oswald Künster mit. Weitere Beschäftigte waren Philipp Ost, Max Schäfer und Josef Israel.

Im Winter ruhte die Steinproduktion. Dann wurde bereits Bims für die nächste Saison herangeschafft und auf Vorrat aufgehäuft. Dabei half auch Peter Künster, der als Kartoffelhändler einen LKW besaß. Unter anderem wurde Bims aus den Kettiger Hecken angefahren.

Später trat Jakob Künster als Teilhaber in den Betrieb ein. Anton Künster hatte sich zuvor zurückgezogen und gemeinsam mit seinem Sohn Adalbert auf dem vorderen Schamberg im Bereich Martinshöhe/Bischof-Wehr-Straße einen eigenen Betrieb gegründet.

Im Laufe der 1950er Jahre wurden beide Betriebe wieder aufgegeben. Um mit der zunehmenden Mechanisierung Schritt zu halten, wären erhebliche Investitionen notwendig gewesen. Den Betrieb Oster-Künster am Karmelenberger Weg übernahm Gert Tiedtke.

Paul Oster widmete sich weiter seiner Landwirtschaft. Aus dem Betrieb von Anton und Adalbert Künster entwickelten sich später der Kartoffelschälbetrieb und „Künsters Fritten“.

Josef Juchem und die Brüder Peter und Karl Sauer gründeten 1949 die Firma Juchem & Sauer. Zuvor hatten die drei gemeinsam bei Magt & Keul in Ochtendung gearbeitet.

Ein Gelände fanden sie zwischen Gensstraße und Hohlweg im Bereich der heutigen Schubertstraße. Gut zwei Morgen wurden von der „Herrschaft“ gepachtet, weitere Flächen kamen hinzu. Bims war zunächst unmittelbar auf dem Grundstück vorhanden.

Peter Sauer hatte zuvor bei der von-Waldthausenschen Verwaltung gearbeitet und konnte von dort günstig Feldbahnschienen, Kippwagen und eine Klopfmaschine anmieten.

Die Anfänge waren einfach: Bims wurde von Hand abgebaut und teilweise mit Pferdegespannen herangeschafft. Auch das Mischen von Bims, Zement und Wasser geschah von Hand. Die Mischung kam in Eisenformen der Firma Schleiß aus Andernach und wurde mit Handstampfern verdichtet. Die Form für den 24er-Hohlblock trug den Namen „Erika“.

Mit wachsender Nachfrage wurde modernisiert. Es folgten Füllkasten und Handklopfmaschine – genannt „Bär“ –, Schneckenmischer, Rampe, Bims- und Zementsilos, Förderband und schließlich eine Mischanlage mit Vollautomat und „Eisernem Mann“. Hinzu kamen ein Opel Blitz und ein Mercedes als betriebseigene LKW.

Karl Sauer kümmerte sich um den Bimsankauf, den Abbau und den Transport. Josef Juchem war für Mischungen, Produktion und Verkauf verantwortlich. Um Kunden zu gewinnen, fuhr er mit der Eisenbahn bis in den Frankfurter Raum und in die Pfalz, beispielsweise nach Maikammer. Peter Sauer kümmerte sich um das Abtragen, Lagern und Laden der Steine.

Zu den Beschäftigten gehörten unter anderem Willi Anheier und Matthias Böffgen sowie als Arker und Lader Karl Oster, genannt „Fricks Karl“, Franz Rosenberg, Josef Härig, Johann und Jakob Heucher, Toni Paffhausen und zwei Wochenendheimfahrer aus dem Hunsrück. Lieselotte Juchem erledigte zu Hause die Büroarbeiten.

Die Maurer Jakob Rudolph, genannt „Kewesje“, und Peter Wittke waren zeitweise beim Aufbau der Anlagen beschäftigt – und legten dabei, wie überliefert ist, Wert auf ausreichenden Flüssigkeitsnachschub.

Dramatisch verlief ein Unfall an der Klopfmaschine: Als diese verschoben werden sollte, geriet sie unter Starkstrom. Vier oder fünf Männer konnten sich nicht mehr lösen, bis Karl Sauer herbeilief und das Starkstromkabel mit einer Schaufel durchschlug.

1960 wurde der Betrieb eingestellt. Größere Investitionen wollte man nicht mehr wagen, zudem hatte Josef Juchem das Rentenalter erreicht. Das Gelände wurde geräumt und später bebaut. Viele Bassenheimer errichteten dort ihre Häuser – es entstand die Schubertstraße.

Ebenfalls 1949 gründeten der Landwirt Peter Anton Ringel, sein Sohn Toni Ringel und seine Tochter Susanne die Firma Ringel und Co. Susanne war mit dem Steuerberater Arthur Schott verheiratet, der den Start fachlich begleitete.

Der Betrieb befand sich auf der rechten Seite des Karmelenberger Weges, oberhalb des heutigen Schnuch-Geländes. Die Fläche gehörte von Waldthausen und war von Peter Anton Ringel als Ackerland gepachtet worden.

Zunächst herrschte Handarbeit vor. Bims wurde von Hand gefördert, in der Handklopfmaschine verarbeitet und die fertigen Steine zum Trocknen aufgesetzt. Verkauft wurde an private Bauherren und Bauunternehmen bis nach Köln und Frankfurt.

Frau Schott erledigte die Büroarbeiten und führte maßgeblich die Geschäfte. Zu den Beschäftigten gehörten Heinrich Beil und Josef Korneli, der Ehemann der langjährigen Hebamme. Vorarbeiter war Willi Voll.

Viele Kriegsflüchtlinge fanden damals Arbeit in der „Bims“. Für manche wurde sie zum Ausgangspunkt für einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Neuanfang.

Um 1960 wurde der Betrieb angesichts wachsender Konkurrenz an den Unternehmer Jokiel verkauft. Dieser wohnte mit seiner Frau zunächst bei Ringels in der Mayener Straße, später im Haus Israel in der Jahnstraße.

Überliefert ist auch eine kleine Erinnerung an seine Person: Herr Jokiel war ein kleiner hagerer Mann, der sich morgens schnellen Schrittes auf den Weg zur Fabrik machte, aber schon nach kurzer Zeit wieder nach Hause strebte.

Bei Jokiel arbeiteten unter anderem Rädi Bengel, Willi Schulder, Waldemar und Heinz Honsberg sowie Vorarbeiter Willi Koch.

Auch Jokiel konnte oder wollte die zunehmende Mechanisierung nicht dauerhaft mitgehen. Wenige Jahre später verkaufte er an den Nachbarbetrieb von Gert Tiedtke. Dieser wiederum veräußerte Anfang der 1970er Jahre an Schnuch.

1949 begann Fritz Häfner aus Langenselbold mit einer Bimssteinproduktion am oberen Karmelenberger Weg, links vor einer ehemaligen Baumschule.

Vorarbeiter und später Produktionsleiter wurde Wilfried Lohner. Er brachte seinen Bruder Albert, zuständig für die Elektrik, seinen Vater Nikolaus und seinen Bruder Hans mit in den Betrieb.

1950 übernahm die Firma Schnuch das Werk. Unter den Lohners entwickelte es sich in den 1950er und 1960er Jahren erfolgreich weiter. Bereits 1950 waren rund 30 Menschen beschäftigt.

Wilfried Lohner kaufte Bims aus Bassenheimer Grundstücken und aus umliegenden Gemarkungen auf. In den Anfangsjahren wurde noch mit den breiten „siebenschlägigen“ Bimsschaufeln von Hand geladen. Gute Schaufler waren begehrt. Dazu gehörten Johann Lohner aus Mülheim sowie aus Bassenheim Hermann Ringel, Peter Oster, Heinrich Beil und Matthias Böffgen.

Zu den zahlreichen Bassenheimer Beschäftigten gehörten außerdem August Parroche und Söhne, Reinhold Ringel, Edmund Sevenich, Walter Oster, Peter Kerres, Willi und Toni Müller, Heini Ringel, Hans Israel, Ernst Möllenberg, Konrad Dausner, Viktor Schaffrin, Johann und Jakob Heucher, Willi Koch, die Brüder Honsberg, Peter Kaltenborn und Hans Sauer.

Ab 1970/71 kamen Gastarbeiter aus Jugoslawien hinzu. Zwei von ihnen, Plecha und Stark, blieben mit ihren Familien in Bassenheim.

Als Gert Tiedtke später seinen Betrieb aufgab, übernahm Schnuch auch dessen Anlage.

In den 1960er Jahren entwickelte der Mainzer Ingenieur Hinse die nach ihm benannten Hinse-Steine. Sie konnten nach einem Baukastensystem aufeinandergesetzt und anschließend mit Beton gefüllt werden. Schnuch produzierte früh nach diesem System.

Auch gefährliche Situationen blieben nicht aus. Peter Kerres geriet beim Befüllen eines Zementsilos versehentlich selbst in das Silo. Durch entschlossenes Eingreifen konnte er vor dem Ersticken gerettet und ins Krankenhaus gebracht werden. August Parroche erlitt bei einem weiteren Unfall einen Beinbruch.

1992 übernahm Gerhard Zeyer den Betrieb, der unter dem Namen Schnuch-SB-Baustoffe weitergeführt wurde.

Im März 1950 eröffnete Willi Baulig seinen Betrieb auf dem Schamberg am Wolkener Weg, im Bereich der heutigen Bischof-Wehr-Straße/Katschecker Weg.

Der Wolkener Weg war damals nur dünn bebaut. Auf der Höhe standen unter anderem die Neue Scheune und das Haus des Dorfpolizisten Ignaz Schwöbel.

Dieser achtete genau auf Nacht- und Mittagsruhe. Während in anderen Bimsfabriken im Sommer längst gearbeitet wurde, durfte bei Baulig das „Klopfen“ morgens erst um sieben Uhr beginnen. Zwischen zwölf und dreizehn Uhr herrschte ebenfalls Ruhe.

Von Beginn an arbeitete Baulig mit elektrischen Kompressionsmaschinen. Nach zwei Jahren kamen eine neue Maschine mit Förderband und Silo hinzu, 1954 zwei eigene LKW. Fahrer waren Erwin Cochems, Johann Keßler und Otto Thom.

Zeitweise beschäftigte der Betrieb mehr als 25 Menschen. Dazu gehörten Klaus Künster, Fred Röder aus Wolken, Karli Mayer, Alfred Fülle, Matthias Bach, August Parroche, Adolf Flöck, Fritz Zeutzem, Josef Meurer, Georg Voll, Andreas Leick, Erich Weiber, Toni und Hermann Sauer sowie Heinz Reuß. Weitere Arbeiter kamen aus Kobern, Lonnig, Mülheim und Weißenthurm.

Elfriede Israel erledigte die Büroarbeiten, Kunni Israel kümmerte sich um Steuerangelegenheiten. Für Bimsankauf, Verkauf und den Betriebsablauf war Willi Baulig selbst verantwortlich. War er nicht vor Ort, schauten sein Vater Johann Baulig oder Karl Israel nach dem Rechten.

1957 geriet die Firma in finanzielle Schwierigkeiten. Geld war knapp und teuer, Außenstände hoch, manche Kunden konnten statt Geld nur Sach- oder Handwerkerleistungen anbieten. Willi Baulig entschloss sich schließlich zum Verkauf.

Das Gelände wurde anschließend an die Pfarrei Bassenheim zurückgegeben und später als Bauland genutzt. Zur Erinnerung erhielt die neue Straße den Namen Bischof-Wehr-Straße.

Alois Forster und sein Sohn Eduard stammten aus Mörsdorf im Hunsrück und betrieben nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst eine Bimssteinfabrik in Treis an der Mosel. Da dort kein eigener Bims vorhanden war, fuhr Eduard regelmäßig mit dem LKW nach Bassenheim.

Hier entstand der Kontakt zu Georg Ringel, der auf dem Kreuzberg über Saffig ein Gelände mit guten Bimsvorkommen besaß. 1950/51 gründeten sie gemeinsam Ringel & Forster.

Die Forsters brachten Maschinen und Produktionsanlagen ein, Georg Ringel und sein Sohn Paul das Gelände und den Bims.

Arbeitskräfte kamen sowohl aus Bassenheim als auch aus Mörsdorf und dem Hunsrück. Für die auswärtigen Arbeiter wurden Baracken errichtet, in denen sie während der Woche lebten. Frau Forster kochte mittags für sie. Am Wochenende ging es zurück in den Hunsrück, montags kamen die Männer mit großen Proviantvorräten wieder nach Bassenheim.

Aus Bassenheim arbeiteten unter anderem Paul Ringel, Engelbert Höfer als LKW-Fahrer, Walter Oster, Alfred Geisen und Gadomski, der Mann von Elfriede Krautkrämer, im Betrieb.

Die Bimssteine wurden bis ins Ruhrgebiet geliefert. Die LKW brachten auf der Hinfahrt Steine und auf dem Rückweg Zement mit.

Bei einer solchen Fahrt hatte Engelbert Höfer einen Unfall. Die geladenen Steine verteilten sich auf der Straße, ihm und Eduard Forster geschah jedoch nichts.

1958 beendeten die Ringels ihre Beteiligung. Die Verbindung der Familien blieb dennoch bestehen: Elfriede Ringel heiratete 1960 Eduard Forster.

Wenig später gab auch Edi Forster die Bimssteinproduktion auf. Er betrieb anschließend Bimsversand und Kiesausbeute auf dem Gülser Berg und beendete diesen Betrieb 1990 aus Altersgründen.

Die Unternehmerfamilie Tiedtke stammte aus Düsseldorf. Vater August Tiedtke hatte bereits Erfahrung mit Bimsbaustoffen. Nach dem Krieg betrieb er gemeinsam mit seinem Sohn Gert in Oberkassel einen Bimsbaustoffbetrieb.

Der Bedarf an Baustoffen im Ruhrgebiet war groß, allerdings musste der Bims über weite Entfernungen herangeschafft werden. Als Aufkäufer kam Gert Tiedtke auch nach Bassenheim.

Heinrich Ringel, genannt „Holle Hein“, brachte ihn schließlich auf die Idee, die Produktion direkt an die Bimsvorkommen nach Bassenheim zu verlagern.

Tiedtke verhandelte mit dem damaligen Bürgermeister Johann Simon und mit der Rittergutsverwaltung, vertreten durch Herbert Kintzen. Man einigte sich auf ein Gelände am Karmelenberger Weg hinter dem „Bau“.

Eine Hohlblockmaschine und ein Freifallmischer wurden aus Oberkassel herangeschafft. Weitere Maschinen kamen von der Firma Schleiß in Andernach. Ein Schürfkübelbagger erleichterte den Bimsabbau. Die Schlosserei Wahlen aus Mülheim lieferte einen Abtrageausleger, den „Eisernen Mann“, und blieb auch später ein wichtiger Partner bei Reparaturen.

Der Betrieb beschäftigte zeitweise mehr als 20 Menschen. Platzmeister war Heinrich Ringel, als Fahrer arbeiteten Günther Oster und Karl Rünz. Weitere Beschäftigte waren Ernst Paduch, Alois Luxemburger, Adalbert Künster, Günther Mehl, Karl Peter Mallmann, Hubertus Lohner, Josef Israel und Ernst Möllenberg. Im Büro arbeiteten Lieselotte Juchem und später über viele Jahre Fritz Oster.

Gert Tiedtke gehörte zu den Vorreitern einer wetterunabhängigeren Produktion. Mit einer langgestreckten Halle konnte auch bei leichtem bis mäßigem Frost gearbeitet werden.

Probleme bereitete zeitweise die Infrastruktur. Lief die Produktion auf Hochtouren, sank die Stromleistung so stark, dass bei den Hausfrauen am Karmelenberger Weg das Essen nicht so schnell gar wurde. Im trockenen Jahr 1953 wurde sogar provisorisch eine Wasserleitung aus einer Quelle im Park am Sportplatz vorbei durch die Wiesen bis zur Fabrik gelegt.

Auch Zement war zeitweise knapp. Leere Papiersäcke wurden gesammelt und gegen Bezahlung nach Gewicht zurückgenommen. Während des Koreakrieges musste Zement auf offenen LKW aus dem Ruhrgebiet herangeschafft und mit Planen vor Regen und Verwehungen geschützt werden.

Mit zunehmender Wohnbebauung am Karmelenberger Weg häuften sich später die Beschwerden über Lärm. Gleichzeitig war das ungesicherte Betriebsgelände für spielende Kinder gefährlich. Anfang der 1970er Jahre zeichnete sich zudem das Ende der großen Bimsboomjahre ab.

Gert Tiedtke verkaufte schließlich an die Firma Schnuch und konzentrierte sich auf die Herstellung von Betonsteinen bei Limburg.

Auch Wilhelm Tiedtke hatte bereits Erfahrung mit der Bimssteinherstellung. Sein Betrieb in Bendorf war im Krieg durch Bomben zerstört worden.

Anfang der 1950er Jahre zog es auch ihn nach Bassenheim. Am oberen Hohlweg, hinter den bereits bestehenden Fabriken Juchem & Sauer und Gebrüder Stahl, gründete er einen neuen Betrieb.

Das Gelände wurde von der Rittergutsverwaltung gepachtet und enthielt selbst Bims, der direkt verarbeitet werden konnte.

Wilhelm zog mit seiner Frau und den Kindern Klaus, Jörg, Axel und Irmgard nach Bassenheim. Die Familie bezog das ehemalige Forsthaus an der Saffiger Straße. Die Familie blieb eng mit Bassenheim verbunden: Die drei Söhne heirateten später Bassenheimer Mädchen und lebten zum Teil mit ihren Nachkommen hier. Frau Tiedtke, die spätere Frau Kaiser, machte sich in höherem Alter zudem als Malerin einen Namen.

Im Betrieb erledigte sie zunächst die Büroarbeiten. Zu den Beschäftigten gehörten Toni und Hermann Sauer, Ernst Gürlich, Gust Keßler, Peter und Hermann Becker sowie Toni Geisen.

Auch hier ist ein gefährlicher Vorfall überliefert: Einer der Sauerbrüder geriet unter Starkstrom und konnte sich nicht mehr lösen. Sein Bruder reagierte geistesgegenwärtig und durchtrennte das Starkstromkabel mit einer Axt.

Nach dem Ausscheiden Wilhelm Tiedtkes führten seine Frau und August Tiedtke den Betrieb noch einige Zeit weiter und verpachteten ihn anschließend an die Firma Slooten aus Geldern.

Anfang der 1960er Jahre endete die Produktion. Die Fabrikanlagen wurden abgebaut und das Gelände in seinen ursprünglichen Zustand zurückversetzt.

Von der ehemaligen Firma Poll ist bis heute eine markante Spur im Bassenheimer Ortsbild erhalten: In der Nähe der Tennisplätze steht noch das mehrgeschossige Misch- und Maschinenhaus aus den 1950er Jahren. Das Gelände ist heute als „Tesans Ranch“ bekannt.

Gegründet wurde der Betrieb von dem in Köln tätigen Kaufmann Leo Poll, seiner Schwägerin, der Gastwirtin Gertrud Poll, und deren Sohn Fritz.

Fritz Poll war Geschäftsführer vor Ort und für Bimsankauf, Produktion und Verkauf verantwortlich. Platzmeister Heinrich Voll kümmerte sich um den internen Betriebsablauf. Zwei Krupp-LKW transportierten Bims und Zement und brachten die fertigen Steine bis ins Ruhrgebiet.

Zeitweise arbeiteten mehr als 20 Männer im Betrieb. Dazu gehörten Georg und Werner Bach, Josef und Günther Mehl, Hermann Boos, Josef und Georg Weiber, Karl Otto Krautkrämer, Heinz Wersig, Josef Israel, Hermann Hulley, Andreas Leick, Philipp Ost, Peter Weiber, Jakob Kasper und Fredi Oster. Einer der LKW-Fahrer war Heinz Schäfer. Hinzu kamen Arbeiter aus Rübenach, Lay und Kobern.

Einmal im Monat spendierte die Firmenleitung der Belegschaft Spießbraten und freie Getränke.

Im Winter ruhte die Produktion meist. Von Dezember bis März gingen die Arbeiter häufig „stempeln“. Zunächst mussten sie dafür zum Arbeitsamt nach Weißenthurm. Später konnte das „Stempelgeld“ auch im Gasthaus Koch in Bassenheim abgeholt werden.

Mitte der 1970er Jahre waren die goldenen Jahre der Bimsindustrie weitgehend vorbei. Notwendige Investitionen und veränderte wirtschaftliche Bedingungen führten schließlich zur Aufgabe des Betriebes.

Das Gelände wurde später unter anderem von der Firma Engelbert Ost als Abstellplatz für LKW genutzt.

Das Ende der Bimsära

Die Bimsindustrie hatte Bassenheim innerhalb weniger Jahrzehnte grundlegend verändert. Doch die Bedingungen wandelten sich. Bereits in den 1950er und 1960er Jahren mussten kleinere Betriebe aufgeben, weil sie die steigenden Investitionen in moderne Maschinen nicht mehr tragen konnten oder wollten. Später kamen sinkende Nachfrage, steigende Rohstoff- und Energiekosten und zunehmend erschöpfte Bimsvorkommen hinzu.

Nach und nach verschwanden die Fabriken. Ihre Spuren blieben jedoch im Ort erhalten. Auf ehemaligen Betriebsgeländen entstanden neue Wohngebiete und Straßen. Aus dem Gelände der Gebrüder Stahl wurde das Baugebiet „Unter den Pelzen“. Auf dem früheren Gelände von Juchem & Sauer entstand die Schubertstraße. Das Baulig-Gelände wurde zur Bischof-Wehr-Straße. Damit ist die Geschichte der Bimsindustrie zugleich ein Stück Geschichte des heutigen Bassenheimer Ortsbildes.

Schnuch – der letzte Bassenheimer Bimsbetrieb

Von den einst zahlreichen Bimsbaustoffbetrieben blieb Schnuch als Produktionsstandort in Bassenheim erhalten. Einen entscheidenden Schritt zur modernen Fertigung bildete 1972 der Bau einer Ringanlage. Wo früher viele Arbeitsschritte von Hand erledigt wurden, entstand eine weitgehend automatisierte Produktionsstraße.

Der Wandel könnte kaum größer sein: In den Anfangsjahren schaufelten Männer den Bims von Hand, schleppten schwere Hohlblocksteine und stapelten sie zum Trocknen. Später übernehmen Sensoren, Förderanlagen und Maschinen einen großen Teil der Arbeit. Statt reiner Muskelkraft sind zunehmend technische Kenntnisse gefragt.

Die einstigen Bimsvorkommen in der Bassenheimer Gemarkung sind inzwischen nahezu erschöpft. Bims muss deshalb auch aus Ochtendung und der weiteren Umgebung bezogen werden.

Die Schnuch-SB-Baustoffe GmbH ist weiterhin am Karmelenberger Weg in Bassenheim ansässig und produziert dort unter anderem moderne Schalungssteine.

Damit reicht die Geschichte des „Weißen Goldes“ in Bassenheim von den ersten handgefertigten Steinen Paul Stahls zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur modernen Baustoffproduktion unserer Zeit.

Viele Fabriken sind verschwunden, ihre Standorte wurden zu Wohngebieten, ihre Maschinen abgebaut und die ehemaligen Bimsgruben verfüllt. Geblieben sind jedoch die Erinnerungen an Unternehmer und Arbeiter, an „Arker“ und Bimsschaufler, an das „Äßkesselche“, das „stempeln“ im Winter und an die Klopfmaschinen, deren Geräusch einst aus vielen Richtungen durch Bassenheim hallte. Sie alle gehören zur Geschichte des Ortes – und zu einer Zeit, in der das „Weiße Gold“ Bassenheim entscheidend mitprägte.

  • Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR): Vulkanische Lockergesteine in Deutschland, Abschnitt Bims und Laacher-See-Eruption.
  • Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR): Magmatismus – Laacher See Vulkan, Informationen zum Laacher-See-Ausbruch.
  • Gränitz, Friedrich / Grundmann, Luise (Hrsg.): Das Mittelrheinische Becken. Böhlau Verlag, 2003, insbesondere S. 62 und 81.
  • Heimatverein Bassenheim: Beitrag zur Bassenheimer Bimsindustrie im Heimatkalender, o. J.
  • Keßler, Hans J.: Erfolgsgeschichte der Nachkriegszeit: Bassenheimer Bimsbetriebe. Erhebung im Auftrag des Heimatvereins Bassenheim anlässlich der Ausstellung zur Bassenheimer Bimsgeschichte im Foyer der Karmelenberghalle am 31. März und 1. April 2007.
  • Verband Rheinischer Bims- und Leichtbetonwerke, Neuwied: Chronik des Verbandes Rheinischer Bims- und Leichtbetonwerke, o. J.
  • Schnuch-SB-Baustoffe GmbH, Bassenheim: Unternehmensinformationen und Angaben zur heutigen Produktion und zum Standort.
  • Zeitzeugen und persönliche Auskünfte: Fa. Schnuch sowie ehemalige Fabrikbesitzer, deren Nachkommen und frühere Mitarbeiter, darunter Gert Tiedtke, Jörg Tiedtke, Willi Baulig, Karl Sauer, Reinhard Juchem, Susanne Schott, Gebrüder Stahl, Lohner-Stein, Ringel-Forster und Fa. Poll.
  • Bildquellen: Heimatverein Bassenheim.